Ephorân – Parusie

You don’t know what love is… you just do as you’re told!
-The White Stripes

Ich weiß, einige Leute warten darauf, dass ich meine nWoD-Rezension zu einem Ende bringe, und eigentlich will ich noch einiges zu SCION loswerden, aaaaaaaber…
Da gerade Heute mal wieder sprühende Kreativität eine unheilige Allianz mit hemmungsloser Antriebslosigkeit eingeht, nehme ich mir die Zeit, um meinen Lieblingsprügelknaben mal wieder ordentlich ‘ne Harke zu verpassen die Leute ganz Prophetengleich vor dem Teufel zu warnen, der mich, wie einen Lovecraftprotagonisten, heimsucht!

Ephorân – The second coming
“Das Hobby kennt eine unüberschaubare Anzahl an Regelwerken. Warum ein weiteres Hinzufügen?”
-Aus dem ersten Buch “Das Ende aller Spielabende” “Ephorân”, Seite 1 (5!), Absatz 2

Anstatt  hier ein paar Rosinen herauszupicken wie beim letzten Mal, schau ich mir das Elend noch ein Mal von Anfang an durch.
Es kann sein dass ich auf einige Sachen die ich im ersten Review schon einmal hatte, noch einmal einfallen. Ich versuche die Doppelung meiner Belustigungen zu vermeiden wo es geht.

Ephoran ist defenetiv ein Dämon. es erzählt Lügen und versucht einem so in seine Fänge zu locken.
So könnte ich natürlich noch ein Mal auf die widersprüchlichen, aber Irgendwie verlockenden Versprechen auf Seite 5 Aufmerksam machen, wo zunächst gesagt wird, das Spiel könne Superhelden, nur um dann ehrlich zurückzurudern, um einem bei den Beispielcharakteren diesen Supermanklon um die Ohren zu hauen, den das System ja laut dem Buch selbst, nicht tragen kann… Mir wird jetzt schon schwummerig.
Aber nein, Mir gehts diesmal die platte Lüge im Werbetext, den sich ein argloser Mensch im Laden (damals als es  kostenlose Ephorân PDF noch nicht gab) auf der ersten Regelwerksseite (Seite 5) ansehen konnte.

“Auf Deutsch gibt es kein System, das den in Ephorân verfolgten Ansatz benutzt – obwohl dieser in anderen Sprachen schon mehrere Vertreter kennt. Mit Ephorân liegt nun in deutscher Sprache ein Regelwerk vor, das von sich behauptet, sich mit den großen Universalsystemen messen zu können – dabei aber auch eigene Ansätze verfolgt, um den Spielfluss schneller und unterhaltsamer zu gestalten.”

Na, wer findet die Lüge die ich meine? Jaja, “um den Spielfluss schneller und unterhaltsamer…”
*irres lachen*
Pardon! Nein, den meinte ich nicht… der wäre zu einfach!
Ich spreche davon dass Es auf deutsch kein System gibt, dass den in Ephorân verfolgten Ansatz benutzt…
Nehmen wir einmal an, wir würden dem Buch “glauben”, nach dem was es uns in meinem ersten Verriss an widerwärtigen Facetten von sich gezeigt hat. Dann kann damit ja nur gemeint sein:

A) Es gibt kein System in Deutscher Sprache, dass so sehr den Spielspaß blockiert.
(Legenden berichten mir seit meinem Review von “Der Dunklen Dimension” dass in diesem Aspekt in direkter Konkurrenz zu Ephorân stünde. Wer darüber nen Verriss lesen will, sende mir eine Kopie davon!)

B) Es ist ein Rollenspiel dass Leute zu Ihren Vorabiklausuren, oder wahlweise, Mathematikcrashkurs zum beginn eines naturwissenschaftlichen Studiums spielen sollten um “Spielend für die Prüfung” zu üben.

Spaß bei Scherz: Der Rest dieser ersten Seite (5!) suggeriert mir, dass damit gemeint ist, es gäbe keine anderen deutschen Universalsysteme.
LÜGE, DÄMON!
GURPS ist schon wesentlich länger unterwegs mein Freund.
Und mit Savage Worlds hat es in dem Markt der Uni-Systeme einen kleinen Bruder bekommen, der deine Prämisse von “schneller und unterhaltsamer” besser kann als Du und dein Altersschwacher Onkel GURPS es zusammen könnten.
Und da sind noch nicht mal die Zahllosen Heartbreaker drin, die, auch ohne Buchdruck mehr können als Du!!

Und wo wir gerade bei Buchdruck sind…
“Das vorliegende Buch mag dick erscheinen, doch sind die eigentlichen grundlegenden Regeln vergleichsweise kurz und wenig umfangreich.”
-Aus dem ersten Buch “Rollenspiele layouten – DAS Gegenbeispiel” “Ephorân”, Seite 1 (5!), Absatz 8

“mag dick erscheinen” ist hier genau die richtige Wortwahl (ja, Whitespaces hab ich schon mal erwähnt, aber ich habs mal genauer nachgesehen)!

Ich kann verstehen, dass dieser Kleinstverlag (Thot), den irgendeine jenseitige Entität dazu gezwungen hat diesen Antichristen in unsere Welt zu spucken, das Biest bei einer Druckerei hat machen lassen die nur bestimmte Sätze vergibt. Wenn man weniger Seiten hat, hat man halt Whitespaces am Ende. Ich schätze das Format ist auf rund 185 Seiten ausgelegt. 176 davon Sind nummeriert, und mit einigen Introseiten und Inhaltsverzeichnis verschwendet Ephoran nur 10 davon. Wenn es nicht gerade das uneheliche Kind einer Rolemastertabellenbuchhalterin und nem GURPS-Imitator auf Heroin wäre, würden mich die paar Seiten am Ende an die “Seiten für Notizen” am Ende von SNES-Spielanleitungen erinnern.

Soweit verständlich, [wort mit 10 Buchstaben, ein B, ein E, ein R und sieben A]

Ich stelle hier mal auf, wie viele “ESR” (Effektive Seiten Regelwerk) das Buch wirklich hat.

  • ca. 185, als solche nutzbare Seiten, hat das Buch. 176 sind nummeriert, 9 einfach leer!
    [185 - 9 = 176 ESR]
  • 31 Seiten sind nur bis zur Hälfte oder gar weniger gefüllt.
    [176 - ca. 17 = 159 ESR]
  • 48 Seiten sind etwas mehr als die Hälfte gefüllt, überschreiten jedoch den  üblichen “SEV” (Standard-Ephorân-Spaltenverlust)!
    [159 - ca. 15 = 144 ESR]
  • Auf den Seiten übrigen Seiten, greift der SEV. Der SEV ist das, was Ephoran in der Regel am unteren Rand in seinem zweispaltigem Layout verschlingt. Das geschieht einfach durch die Textstruktur, und variiert sehr stark.
    Bei dem Druckbereich von Ephoran von maximal 24cm fehlen im Schnitt 6 cm auf jeder Seite (wie auf immer auf die beiden Spalten verteilt).
    [144 - ca. 36 = 108 ESR]
  • Ein anderes Deutsches Regelwerk (Unknown Armies), mit vernünftigem S/W Layout bringt es im allerdings auf eine Länge von 26cm Druckbereich, darum gilt im Wettbewerb auf dem Rollenspielmarkt, als Vergleichwert also nicht der SEV von 6, sondern von 10cm!
    [144 - ca. 55 = 89 ESR]
    (Dieser Schritt klingt unfair? Na, na! Ein Buch dass sich selbst als “der Baukasten fürs Rollenspiel” bezeichnet, wird doch wohl einen harten Kampf nicht scheuen!)

WOW!
89 Seiten
Effektiv nutzbares Regelwerk, von dem man mal 176 bezahlt hat.

Nicht dass das den Preis aufgrund von Arbeitszeit  und  geistigem Eigentum viel mindern würde. Aber bei 50.568% Papierersparnis wäre zumindest etwas weniger Augenwischerei drin gewesen.

Charaktere
“In den meisten Fällen wird das der “Durchschnittsmensch” sein, der nur seine Muttersprache spricht, sonst nichts weiß und auch für keine Fertigkeit oder Eigenschaften Charakterpunkte ausgegeben hat.”
-Aus dem ersten Buch “Selbstlobotomie für Anfänger” “Ephorân”, Seite 7, Absatz 3

Jetzt hab ich nach… 3 weiteren Seiten “Am Stück lesen” verstanden was mir so wenig an Ephorân schmeckt: Es ist so unglaublich Abstrakt.
Die Eigenschaften sind “Grundschaden, Stabilität, Ausdauer, Resistenz, Laufen, Schwimmen, Springen, Klettern, Traglast… HÄ?!
Es wird zwar gesagt, dass Beispielsweise die Leute mit mehr Traglast ruhig etwas mehr Resistenz und Ausdauer nehmen sollten, es sei denn Sie sind zB. Fettleibig.
Das ergibt auch Sinn (ich habe bei all dem Wahnsinn, jenseits der 3,147 Pforten, Ephoran auch nie vorgeworfen unlogisch zu sein)!
Und auch sonst sind, von der etwas hölzernen Schreibweise abgesehen nett gemeinte Ratschläge über Gruppenabsprachen etc drin.

Woran erinnern mich diese Werte bloß alle?
… Nein! Nein nein Nein!… Moment… nich wirklich… Oh, DOCH!

Es sind abgeleitete Eigenschaften… Bewegung, Traglast, Resistenz…
Dieses Spiel scheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt (5te Seite der Charaktererschaffung) davon auszugehen, dass man sich aus diesen wesentlich unintuitiveren Werten Das denkt, was man normalerweise mit einem Geschick, Stärke oder Staminawert überlegen würde.
Es ist umgekehrt!

*windhauch* Ephoran … … Narohpe

Wer war das?!
Hallo!? …

Also, das Spiel biegt gerade in eine mentale Einbahnstraße ein, wo bisher jeder Nerd seit 37 Jahren korrekt lang fährt. Klar, dass einem das Kopfschmerzen bereitet.
*Kopfschütteln* Man kann sich das nicht vorstellen wenn man das nicht gelesen hat… Wer das nicht Nachvollziehen kann: Wir kommen keine 10 Seiten aus ohne mit harten Rechenregeln oder …Begriffen die keiner im RPG braucht um uns zu werfen!
Hier einfach ein paar Narohpe Beispiele: von Seite 10

  • “Für 0 CP kann man aus dem Stand 1 Meter hoch springen [...] Jede Erhöhung dieser Kennziffer um 10% des Grundwertes (also 10cm) kostet 1 CP”
    ICD10? Zinssatz p.a.? Dann doch lieber ETW0!
  • “Die Klettergeschwindigkeit ist normalerweise 1 Meter pro Sekunde an einer steilen Felswand oder einem Baum.”
    Äh… steile Felswand genau so schnell zu erklettern wie ein Baum?!
    “Jeder Meter mehr kostet 20 CP [...] Bruchteile sind Möglich”
    Wieso höre ich in meinem Kopf “On the Run” von Pink Floid?!
  • “Das Körpergewicht eines Charakters dürfte normalerweise in etwa dem Fünffachen seiner Traglast entsprechen”
    Wieder alles falsch herum… Ich überlege mir also erst das Gewicht der Frau um dann festzustellen, wie viel Sie heben kann, um Dann zu schauen ob ich noch weiter über den Standard* hinausmöchte…

*Der Standard ist tatsächlich das: Der Spielleiter muss eine kampagnenschablone festlegen. Die schon viel gerühmten 100 Standardpunkte sind hier der Start-Maßstab. Auch wenn Ephorân Logisch ist, mi fehlt der Referenzrahmen und eine Vorstellung was da was wert ist. Und mir das selbst zu überlegen, bzw. Auszuarbeiten… Das Spiel hätte doch so heißen sollen:


Energische Verkäuferstimme: “Ihr wollt Spannung und Abenteuer?”

Typische Kasperletheatermenge: “JAAAAAA!”

Energische Verkäuferstimme: “Aber eigentlich müsstet Ihr doch für eure Klausuren lernen?”

Typische Kasperletheatermenge mit dem einen Kind das weint: “OOOOOOOH!”

Energische Verkäuferstimme: “Keine Angst! Denn jetzt gibt es jetzt: “Math: The Physiclearning!”

Typische Kasperletheatermenge mit dem einer Gruppe kreischender Mädchen: “JUHUUUUU!”


Oh Mann… Als nächstes kommen Würfelprozedur und Fertigkeiten… aber das ist mir für heute zu viel!

Gute Narohpe, äh… Nacht!

9 Antworten zu „Ephorân – Parusie“

  1. ghoul sagt:

    Schöne Rezi! Bin gespannt auf die Fortsetzung!

    Ich wäre übrigens auch an einer Rezension über “Barbaren!” interessiert, habe mein Exemplar aber leider dem Hofrat geschickt, der darüber zu schreiben leider seine Motivation verloren hat…

  2. Falcon sagt:

    defenetiv?
    Du solltest wirklich nochmal durch deine Sätze schauen. Manche sind auch noch gar nicht zuende geschrieben.

    ich finde das sehr gut. Vor schlechten Produkten muss auch entsprechend gewanrt werden. Mir fallen gleich eine ganze Stange von Mainstreamrollenspielen ein, die eines Verrisses würdig wären.

    die dunkle dimension dürfte immer noch kostenlos sein. Sich die Kopie zu besorgen ist kein großer Aufwand. Die 1400 Seiten durchzuarbeiten schon eher ;)

  3. greifenklaue sagt:

    Die Regeln zum Klettern machen ja mal ganz wenig Sinn, abseits von ihrer Astraktheit. 1 m pro Sekunde? Das geht ja völlig an der Realität vorbei … Ansonsten: unterhaltsam …

    Und uhh, die dunkle Dimension hat mehr Seiten als FATAL…

  4. MSch sagt:

    Tss … das soll unterhaltsam sein? Einer miesen Krämerseele beim Whitespace-Zählen zuzusehen? Den zerrüttenden Textfluß und offensichtlich ebensolche Gedanklengänge zu ertragen? Schon die erste Folge war nur (euphemistisch betrachtet) mäßig, aber das Nachtreten jetzt?

    Es gibt wirklich Sachen die man bei Ephoran ansprechen sollte, aber sowas? Das ist armseelig und lächerlich aber nirgends unterhaltsam oder lustig.

    • 8t88 sagt:

      Naja, ich hatte viel Spaß dabei das zu schreiben.
      Wem das was ich zu Ephorân schreibe nicht gefällt: Kann ich nachvollziehen!
      No hard feelings! :)

  5. Psycho-Dad sagt:

    Sehr schön. :-)

    Aber bei dem Teil mit “Unknown Armies” muss ich ein klitzekleines bisschen Kritik loswerden, den im Bereich Layout, Platznutzung und Optik gibt es auf dem deutschen Markt nur sehr, sehr wenig zu finden, was überhaupt konkurrenzfähig ist. Das Ephoran-Layout mit dem von UA zu vergleichen, das ist wie die Rundenzeiten eines alten Golf auf dem Nürnburgring am Wochenende neben die Qualifyzeiten Schumachers in besten tagen in Imola zu setzen. ;-P

  6. Psycho-Dad sagt:

    Nachtrag:

    DDD als Regelwerk ist… schwer. Als Inspirationsquelle ist es allerdings Super, wie ich als alter Fanboy finde.

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